von Yasmin Scholten
17. Februar 2026
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Zwischen Social-Media-Hype und echter Pilates-Praxis

In den letzten Monaten scheint es so, als ob plötzlich alles was mit Pilates zu tun hat einen Reformer beinhaltet. Gut inszeniert auf Instagram und co., oft mit peppiger Musik untermalt und mit athletischen Bewegungen und zack: Pilates ist plötzlich „in“. Aber was steckt dahinter?

Ich werde in letzter Zeit häufig angesprochen, ob ich denn auch Reformer-Pilates anbiete. Meine Antwort ist immer die Gleiche: Ja, in meinem Studio kannst Du am Reformer trainieren aber nicht ausschließlich, da dieser nur ein Teil des gesamten Pilates Bewegungssystems ist.

Joseph Pilates hatte einen klaren Plan. Er hat den Reformer nicht als Fitness-Gadget erfunden. Er war Teil eines ganzheitlichen Systems in dem nach einer klaren Reihenfolge geübt wird und die Übungen aufeinander aufbauen. Die Reihenfolge ist kein Zufall. Sie sorgt dafür, dass das Körperzentrum zuerst aktiviert wird und somit die Bewegungen aus der Mitte entstehen. Damit werden Verbindungen im Körper aufgebaut statt isoliert Muskeln abzuarbeiten. Ganz einfach gesagt: es geht nicht darum, dass Du den „Burn“ spürst, sondern das es funktioniert. Qualität vor Quantität oder wie Joseph Pilates sagte: „Es ist nicht wichtig wie viele Übungen du machst, sondern wie du sie machst. Und genau dieses „Wie“ geht im Trend oft verloren.

Der Aldi-Reformer für 199 € – passt das zum Pilates-Gedanken?

Das die Bekanntheit von Pilates weiter steigt, hatte sich Joseph Pilates schon zu Lebzeiten gewünscht! Ich freue mich auch, dass mittlerweile die Meisten von Pilates gehört haben und ich kaum noch erklären muss was Pilates überhaupt ist bzw. nicht mehr klarstellen muss, dass es nicht das Gleiche wie Yoga ist. Aber ein billiger Reformer für zuhause? Im Januar gab es diesen bei Aldi zu kaufen und er war auch ratzfatz ausverkauft. Aber ein genauerer kritischer Blick hat mir gezeigt, dass dieser nicht mit Federspannung läuft, sondern mit Zugbändern und somit nichts mit einem Original-Reformer zu tun hat! Diese Bänder können niemals den gleichen Widerstand und die Präzision bieten wie Federn. Die Anleitung gab es als Poster. Das kann mit unter auch gefährlich werden, da die Ausführung von schwierigen Übungen, z.B. im Stand oder im Knien zu Verletzungen führen kann, da man schlichtweg runterfällt! Ohne die Arbeit aus dem, mit Basisübungen trainierten, Körperzentrum können auch Gelenke und die Wirbelsäule unter Übungen, die nicht auf die Person abgestimmt sind, leiden.

Pilates-Studio vs. Trend-Kurs

In einem klassischen Pilates-Studio arbeiten wir anders. Der Reformer steht bei uns nicht allein. Er und das Mattentraining sind die Basis einer Pilates-Session. Weitere Geräte wie Cadillac, verschieden Chairs und Barrels usw. ergänzen Matten- und Reformer-Training. Hier folgen wir einer bestimmten Reihenfolge, die

  • den Körper vorbereitet
  • Verbindungen im Körper schafft
  • langfristig Kraft, Haltung und Bewegungsqualität verbessert
  • Mental entspannt
  • uns mit uns selber vergleichen lässt, statt mit anderen Teilnehmern
  • auch anstrengend ist, aber bewusste Kontrolle über reine Erschöpfung stellt.

Ich finde es toll, dass Menschen in Bewegung kommen und Pilates ausprobieren. Wenn Du aber Pilates so erleben möchtest, wie Joseph Pilates es gemeint hat, dann bist Du im klassischen Pilates-Studio genau richtig. Dein Körper wird es Dir danken!